Experten erwarten bessere Therapien gegen Brustkrebs

Experten erwarten bessere Therapien gegen Brustkrebs



von Norbert Lossau


Wie gut sind Frauen in Deutschland medizinisch versorgt?

Von welchen Krankheiten sind sie besonders betroffen, und welche Erkrankungen werden in Zukunft eine größere Rolle spielen?

Das sind Fragen, denen Forscher des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie des Berliner Universitätsklinikums Charité in einer großen Studie nachgegangen sind. Sie befragten im Auftrag des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) 150 führende Spezialisten aus Industrie und Wissenschaft - unter anderen Gynäkologen, Kardiologen und Neurologen.

Zunächst einmal zeigten sich 84 Prozent der Medizinexperten davon überzeugt, daß Frauen gesundheitsbewußter leben als Männer. Auch sprechen Frauen gegenüber ihrem Arzt gesundheitliche Probleme offener an. Dies meinen jedenfalls 88 Prozent der Befragten. Gleichwohl geht eine deutliche Mehrheit der Experten davon aus, daß es bei den Frauen in den nächsten zehn Jahren zu einem Anstieg von Neuerkrankungen bei Diabetes Typ 2, koronaren Herzerkrankungen, Brustkrebs, Depressionen, Schlaganfällen, Sterilität, Alzheimer und Osteoporose kommen wird. Dies hängt natürlich auch mit der wachsenden Lebenserwartung zusammen.

Cornelia Yzer, Geschäftsführerin des VFA, betont in diesem Zusammenhang, daß es hierzulande zwischen der medizinischen Versorgung von Frauen und Männern noch immer große Unterschiede gebe. So sei die Wahrscheinlichkeit für Herzinfarkt-Patienten, eine Herzkatheter-Untersuchung zu erhalten, bei Frauen um 40 Prozent geringer als bei Männern. Nur 73 Prozent der Frauen mit verengten Herzkranzgefäßen würden mit Acetylsalicylsäure behandelt, hingegen 83 Prozent der Männer. Und Frauen warteten deutlich länger auf einen Herz-Scan oder eine Bypass-Operation. Dabei sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen die Todesursache Nummer eins. Bei den frauenspezifischen Krankheiten nimmt der Brustkrebs eine zentrale Rolle ein. 76 Prozent der befragten Experten gehen davon aus, daß die Erkrankungszahlen bei Brustkrebs in den kommenden Jahren weiter steigen werden. Gründe dafür seien unter anderem Kinderlosigkeit und späte Schwangerschaften. Andererseits sind 94 Prozent der Spezialisten davon überzeugt, daß schon innerhalb der nächsten fünf Jahre mit deutlichen Therapieerfolgen bei Brustkrebs zu rechnen sei. "Den medizinischen Fortschritt erhoffen sich die Experten vor allem durch neue zielgerichtete Krebsmedikamente", kommentiert Professor Ursula-Friederike Habenicht, die bei der Firma Schering die Forschungsabteilung für Gynäkologie leitet. "Es gibt verschiedene innovative Ansätze in unterschiedlichen Phasen der Entwicklung. Dazu gehören sogenannte kluge Krebsmedikamente, die den Tumor gezielt angreifen und gesundes Gewebe schonen." Insgesamt befinden sich derzeit 15 neue Medikamente gegen Brustkrebs bei den Mitgliedsunternehmen des VFA in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium.

Immerhin 92 Prozent der Experten rechnen in den nächsten fünf Jahren mit Therapiefortschritten auch bei den koronaren Herzkrankheiten und 87 Prozent beim Gebärmutterhalskrebs. In der bereits entwickelten Schutzimpfung gegen diese Krebsform, die voraussichtlich ab kommendem Jahr verfügbar sein wird,

sehen 85 Prozent ein großes Potential zur Senkung der Rate von Gebärmutterhalskrebs. Als Gründe für die zu erwartenden Fortschritte bei den

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sehen die Mediziner die Verfügbarkeit von

antithrombotischen und neuroprotektiven Medikamenten, verbesserte Stents

sowie ein noch größeres Engagement bei der Prävention und Früherkennung.

Während schon heute nach Ansicht von 91 Prozent der Experten Brustkrebspatientinnen "gut versorgt" würden, schätzt indes jeder zweite die Versorgungssituation von Patientinnen mit Alzheimer als schlecht ein. Hier würden viele Betroffene nicht auf der Höhe des medizinischen Fortschritts behandelt. Das gleiche gelte auch für die rheumatoide Arthritis. Besonders die Gynäkologen befürchten, daß sich in den nächsten fünf Jahren die allgemeine Versorgungssituation von Frauen in bezug auf den Zugang zu innovativen Medikamenten verschlechtern wird. 46 Prozent von ihnen rechnen damit, während 25 Prozent von einer Verbesserung und 29 Prozent von einer gleichbleibenden Situation ausgehen. Die Kardiologen sind viel optimistischer. Bei ihnen gehen immerhin 55 Prozent von einer Verbesserung aus.