Sexualität- ein multifaktorieller Aspekt unseres Lebens

Sexualität- ein multifaktorieller Aspekt unseres Lebens

Die Sexualfunktion einer Frau ist ein multifaktorieller Aspekt ihres Lebens, der sich aus biologischen, psychologischen und partnerschaftlichen Komponenten zusammensetzt.
Jede dieser Komponenten kann sich im Ungleichgewicht befinden und so zu Störungen der Sexualität führen. Und sexuelle Probleme, unabhängig vom Alter, führen in starkem Maße zu negativen Auswirkung auf die Lebensqualität und auf den psychischen Zustand (Sadowsky et al. J Sex Med 2006; 3:3-11).

Wie sieht es in Punkto „gesunde Sexualität“ heutzutage aus?

Störungen der Sexualität bei Frauen ist ein aktuelleres und weiter verbreitetes Thema als es sich viele Menschen denken. Werfen wir einen Blick auf interessante Studienergebnissen der letzen Jahre: Viele und vor allem repräsentative Zahlen über die Häufigkeit von Sexualstörungen bei Frauen gibt es leider kaum. Laut einer Umfrage der Urologischen Klinik Köln aus dem Jahre 2003 leiden angeblich nahezu 60% der Frauen unter einer „sexuellen Dysfunktion“ (Cologne 20.000 Community Survey, 2003).
In einer größeren epidemiologischen Studie aus den USA waren Frauen zwischen 18 und 59 Jahren befragt worden: Störungen der Sexualität wurden bei 43% der Frauen festgestellt, 22% der Frauen hatten ein reduziertes Verlangen nach Sex, 14% hatten eine verminderte Erregbarkeit und 7% der Frauen berichteten über Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.
Wie Daten einer australischen Studie aus dem Jahre 2003 bei Frauen zwischen 45 und 55 Jahren aufzeigen, steigt der Anteil der sexuellen Störungen beim natürlichen Übergang in die Menopause stark an. So lag der Anteil bei Frauen in der frühen Phase bei 42%, wohingegen in der späten Phase ein Anteil von 88% verzeichnet wurde (Davis SR, Davison SL, Donath S, Bell RJ. Circulating androgen levels and self-reported sexual function in women. JAMA 2005; 294: 91-96).
Weibliche Sexualstörungen haben ein hohes Aufkommen in der Bevölkerung, erfahren jedoch weit weniger Aufmerksamkeit als männliche Störungen. Trotzdem rückt die weibliche, sexuelle Dysfunktion verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit und auch der Wissenschaft. Von besonderem Interesse ist hierbei die Rolle oraler Kontrazeptiva- also der „Pille“. Die öffentliche Diskussion befindet sich derzeit auf dem Höhepunkt, wie der folgende Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Februar 2006 zeigt: Es gibt nur ganz wenige Publikationen, die den Frust mit der Lust unter der Pille wissenschaftlich dartun. Eine so magere Ausbeute nach Jahrzehnten der Hormonverschreibung an Hunderte von Millionen Frauen weltweit lässt vermuten, dass es tatsächlich keine Klagen gibt.

Oder haben die Frauen verschämt geschwiegen?
Oder hat nur niemand die Fingerzeige verstanden?

Ärzte reden nicht gern über sexuelle Schwierigkeiten, sie fühlten sich dabei unbehaglich, wie es in einer jüngsten Erhebung der Robert Wood Johnson Medical School in New York heißt. (F.A.Z., 15.02.2006, Nr. 39 / Seite N1)
Bis dato fehlen wissenschaftliche Daten mit größeren Fallzahlen, die die Parameter hormonelle Verhütung und sexuelle Funktion untersucht haben.

Helfen Sie uns dazu beizutragen diesen Zustand zu verbessern

Um diesen Aspekt näher zu untersuchen, initiiert das Institut für Frauengesundheit, Kompetenznetz Baden-Württemberg der Universitäts-Frauenklinik Tübingen, eine Studie, die anhand eines internetbasierten Fragebogens untersuchen soll, welchen Einfluss orale Kontrazeptiva auf das Sexualverhalten und –erleben haben und ob verschiedene Formen der Kontrazeption sich unterschiedlich auswirken.

Um die Studie durchzuführen wurde ein bestehender, etablierter Fragebogen (FSFI-Skala) zur Beschreibung der sexuellen Funktion dahingehend erweitert, dass er Rückschlüsse auf mögliche Zusammenhänge mit der Methode der Verhütung ermöglicht. Im Rahmen einer neuartigen Internetplattform haben die Teilnehmerinnen die Möglichkeit, den Fragebogen vollkommen anonym auszufüllen. Hier geht es zur Studie bei der sie auch einiges über ihre eigene Sexualität erfahren können.